Die richtigen Gasdüsen beim MIG/MAG-Schweißen, Teil 2

Die richtigen Gasdüsen beim MIG/MAG-Schweißen, Teil 2

Beim MIG/MAG-Schweißen ist eine gute und robuste Schweißausrüstung sehr wichtig. Vor allem dem Schweißbrenner und seinen Verschleißteilen verlangt das Schweißverfahren viel ab. Immerhin sind diese Bauteile ganz nah am Schweißprozess, bekommen die höchsten Temperaturen ab und sind am stärksten Spritzern ausgesetzt. Die Aufgabe der Gasdüse besteht darin, einen ruhigen Gasstrom zu erzeugen und gleichmäßig in den Prozess einfließen zu lassen.

Die richtigen Gasdüsen beim MIGMAG-Schweißen, Teil 2

Das gewährleistet einerseits eine gute Abdeckung des Schweißbereichs mit Schutzgas und erlaubt andererseits ein zügiges Abführen der Prozesswärme.

Allerdings ist die Gasdüse auch das Bauteil, an dem die meisten Schweißspritzer anhaften und sich dann vor allem innen absetzen. Um solche Anhaftungen zu minimieren und die Lebensdauer der Gasdüse zu verlängern, haben Gasdüsen für das MIG/MAG-Schweißen spezielle Beschichtungen und unterschiedliche Formen.

In einem zweiteiligen Beitrag haben wir Fachinfos zu den richtigen Gasdüsen beim MIG/MAG-Schweißen zusammengestellt. Dabei ging es in Teil 1 um das Material, die Beschichtungen, die Befestigungsart und die Nennweite der Düsen.

Jetzt, in Teil 2, schauen wir uns die Formen näher an:

Gasdüsen je nach Anwendung

Bei einer frei zugänglichen Schweißstelle ist es gut möglich, eine ordentliche Naht zu schweißen. Doch mit zunehmender Komplexität der Zugänglichkeit wachsen auch die Herausforderungen für den Schweißer.

Das ist zum Beispiel bei T-Stößen der Fall, bei denen der Schweißer nur wenig Platz hat und in der Ecke schweißen muss. Bei Werkstoffen wie Edelstahl oder Aluminium wiederum muss die Gasdüse für eine möglichst breite Abdeckung mit Schutzgas sorgen, um ein Oxidieren zu vermeiden.

Die Auswahl einer Gasdüse in der richtigen Ausführung erleichtert dem Schweißer die Arbeit deutlich und schafft die Basis für qualitativ gute Schweißnähte. Dabei gibt es Gasdüsen fürs MIG/MAG-Schweißen in diversen Formen:

Konische Gasdüsen

Eine konische Gasdüse wird zum vorderen Ende hin schmaler. Sie eignet sich sehr gut, um zum Beispiel T-Stöße zu schweißen. Denn durch das schmale Ende vorne eröffnet sie dem Schweißer viel Spielraum, ohne dass der Schutzgasstrom zu gering ist.

Zylindrische Gasdüsen

Die zylindrische Gasdüse ist gerade geformt. Weil sie dadurch eine breite Abdeckung mit Schutzgas ermöglicht, ist sie die richtige Wahl beim Schweißen von Edelstahl und Aluminium an gut zugänglichen Stellen.

Bei diesen Metallen ist eine ausreichende Gasabdeckung wichtig, weil sie sonst schnell oxidieren. Dadurch entstehen Anlauffarben und andere Spuren, die aufwändig entfernt werden müssen oder das Bauteil schlimmstenfalls zu Ausschuss machen. Durch die richtige Gasdüse lässt sich das verhindern.

Heavy Duty Gasdüsen

Schwere Gasdüsen, auch Heavy Duty oder kurz HD Gasdüsen genannt, haben eine verstärkte Wandung. Sie sind für Schweißanwendungen ausgelegt, bei denen die Wärmeentwicklung groß ist.

Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Schweißer im hohen Amperebereich schweißt oder das Werkstück vorwärmt, um eine Rissbildung zu vermeiden. Schwere Gasdüsen nehmen mehr Wärme auf und geben die Wärme schneller wieder ab als normale Gasdüsen.

Hochleistungsgasdüsen

Bei einer Hochleistungsgasdüse ist der Körper der Gasdüse in einer speziellen Form aufgebaut. So enthält er eine Isoliermasse, die verhindert, dass die Wärme in den Sitz der Gasdüse abgegeben wird.

Dadurch erhöht sich die Belastbarkeit des Schweißbrenners. Hochleistungsgasdüsen sind für das Schweißen im Hochamperebereich konzipiert und bieten bei dieser Anwendung trotz der starken Belastung eine besonders lange Standzeit.

Flaschenförmige Gasdüsen

Wie die Bezeichnung schon andeutet, läuft diese Gasdüse am vorderen Ende in Flaschenform zu. Dadurch kann der Schweißer auch schwer zugängliche Stellen gut erreichen und hat gleichzeitig eine gute Sicht auf das Werkstück.

Damit die Qualität der Schweißnaht stimmt, ist aber wichtig, die Form der Gasdüse auf die Stromdüse abzustimmen.

Denn auch die Stromdüse hat Einfluss auf den Gasfluss. Passen die beiden Düsen nicht optimal zusammen, ist die Menge an Schutzgas, die durchkommt, möglicherweise zu gering.

Abgewinkelte Gasdüsen

Beim Schweißen von Kehlnähten und T-Stößen ist eine Gasdüse, die um 45 Grad gebogen ist, ideal. Selbst wenn der Schweißer mit einem geraden Brennerhals arbeitet, erreicht er mit der abgewinkelten Gasdüse nämlich die Ecken.

Auch eine Kehlnaht in einem engen Spalt lässt sich so zum Beispiel umsetzen. Für den Einsatz einer gebogenen Gasdüse braucht der Schweißer aber einen Verschleißteilesatz, der eine ebenfalls abgewinkelte Stromdüse enthält.

Engspaltgasdüsen

Eine Engspaltgasdüse ist besonders lang, schmal und läuft flaschenförmig zu. Dadurch erreicht sie auch sehr schmale Spalten.

Engspaltgasdüsen werden in erster Linie eingesetzt, wenn dicke Bleche mit Stärken von 30 bis 50 mm geschweißt werden und neben einer sauberen Wurzel auch ordentliche Zwischenlagen erforderlich sind.

Der geringe Durchmesser der Düsen bringt es mit sich, dass sie sich schnell zusetzen. Aus diesem Grund müssen Engspaltgasdüsen häufig gereinigt werden.

Gasdüsen mit zusätzlicher Kühlung

Für Anwendungen mit sehr hohen Temperaturen und maximaler Schweißleistung gibt es spezielle Gasdüsen. Sie sind doppelwandig und haben einen eigenen Anschluss für den Vor- und Rücklauf von Kühlmittel.

Dadurch können sie mit einem zusätzlichen Kühlmedium direkt gekühlt werden, unabhängig von der internen Kühlung des Schweißbrenners. Das wiederum verhindert, dass der Kopf des Schweißbrenners überhitzt.

Fügt der Schweißer zum Beispiel vorgewärmte Bauteile, ist das ein großer Pluspunkt.

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Rudolf Bozart, Baujahr 1964 Schweißfachingenieur, Gerd Meinken geboren 1972, Schweißwerkmeister, Thorsten Kamps, geboren 1981 Coautor und Christian Gülcan, Betreiber der Webseite, schreiben hier alles Wissenswerte zu Schweißtechniken und Schweißverfahren, geben Tipps und Anleitungen zu Berufen, Schweißgeräten, Materialkunde und Weiterbildung.

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