Wolframelektroden richtig anschleifen – Infos & 5 Tipps, 2. Teil

Wolframelektroden richtig anschleifen – Infos & 5 Tipps, 2. Teil

Mittels WIG-Schweißen sind saubere, präzise und optisch ansprechende Schweißnähte realisierbar. Allerdings entscheidet nicht nur die Auswahl der richtigen Wolframelektrode über die Qualität und das Aussehen der Schweißung. Mindestens genauso großen Einfluss auf die Schweißnaht hat, wie die Elektrode angeschliffen ist. Weil dieses Thema beim WIG-Schweißen sehr wichtig ist, haben wir einen zweiteiligen Beitrag zum richtigen Anschleifen von Wolframelektroden erstellt.

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Wolframelektroden richtig anschleifen - Infos & 5 Tipps, 2. Teil

Dabei ging es im 1. Teil um Infos dazu, warum Wolframelektroden die Ursache für einen schwierigen Lichtbogen sein können und wieso es, auch wegen der enthaltenen Dotierungselemente, unbedingt notwendig ist, Wolframelektroden anzuschleifen.

Hier ist der 2. Teil!:

Wolframelektroden richtig anschleifen – 5 Tipps

Für gute Schweißergebnisse ist es unabdingbar, Wolframelektroden anzuschleifen. Aber natürlich ist auch wichtig, sie nicht einfach nur irgendwie, sondern richtig anzuschleifen. Und dabei sollten insbesondere die folgenden fünf Tipps beachtet werden.

  1. Behutsam und mit wenig Druck vorgehen

Wer sich die Spitze einer Wolframelektrode einmal stark vergrößert anschaut, erkennt die sogenannte Körnung. Sie zeigt sich durch helle und dunkle Bereiche im Material. Jeder Übergang von einem in einen anderen Bereich bildet die sogenannte Korngrenze.

Entlang dieser Korngrenzen hat eine Wolframelektrode bei mechanischer Beanspruchung ihre Schwachstellen. An den Korngrenzen ist eine abgekniffene oder abgebrochene WIG-Elektrode also geschwächt.

Wird sie nun angeschliffen, reißt das Material auf, ähnlich wie wenn ein Bleistift mit einem stumpfen Spitzer angespitzt wird.

Bei geschädigten Korngrenzen können durch die Hitze beim Schweißen Risse an der Spitze entstehen. Sehr wichtig ist deshalb, behutsam und sorgfältig beim Anschleifen vorzugehen, um die Korngrenzen nicht zu beschädigen.

Außerdem sollte der Anschliff nur einen leichten Druck verursachen. Denn ein zu großer Druck führt zu einem Wärmestau, der dann wieder die Korngrenzen schädigen kann.

  1. Nicht freihändig anschleifen

Vom Winkelschleifer bis hin zum Schleifstein finden sich verschiedene Lösungen für ein manuelles Schleifen von Wolframelektroden. Nur sollte der Schweißer keinesfalls versuchen, Wolframelektroden freihändig anzuschleifen.

Ein hochwertiges Schweißergebnis setzt eine konzentrische Spitze und eine glatte Oberfläche voraus. Selbst wenn der Schweißer eine sehr ruhige Hand hat, würde der Anschliff nie perfekt werden.

Doch das ist umso wichtiger, je anspruchsvoller die Schweißnaht ist. Hinzu kommt, dass ein händischer Anschliff kein zweites Mal exakt gleich gelingt. Für eine gleichbleibend gute Qualität sind wiederholbare Parameter aber entscheidend.

  1. Längs zur Elektrode schleifen

Beim Spitzen der Wolframelektrode spielt die Schleifrichtung eine maßgebliche Rolle. Verläuft der Schliff quer und damit radial zur Elektrode, entsteht ein Lichtbogen mit breitem Kegel. Weil die Einbrandtiefe dadurch geringer ist, kann es zum Beispiel bei einem i-Stoß zu Wurzelbindefehlern kommen.

Im Unterschied dazu erzeugt ein axialer Schliff, also ein Schliff längs zur Elektrode, einen fokussierteren Lichtbogen.  Er ermöglicht einen tieferen Einbrand, wodurch der Schweißer die Energie punktgenauer einbringen kann.

Für die Länge der Spitze gibt es übrigens eine Faustregel. Sie besagt, dass die Spitze der WIG-Elektrode ungefähr doppelt so lang sein sollte wie ihr Durchmesser.

  1. Den richtigen Anschleifwinkel wählen

Der Einbrand wird umso schmäler und gezielter, je spitzer die Wolframelektrode angeschliffen wird. Allerdings ist die Elektrodenspitze dadurch auch einer enormen Belastung ausgesetzt, was eine verkürzte Standzeit mit sich bringt.

Ein sehr spitzer Winkel kann die Spitze außerdem überlasten. Die Folge davon kann sein, dass Wolfram ins Schweißbad gelangt und dieses verunreinigt.

Eine stumpf angespitzte Wolframelektrode hingegen führt zu einem breiteren und weniger genauen Einbrand, wenn es beim gleichen Schweißstrom bleibt wie bei einer spitz angeschliffenen Elektrode.

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In der Praxis hat sich deshalb ein Anschleifwinkel von etwa 30 Grad bei Wolframelektroden bewährt.

  1. Die Spitze erst anschleifen, dann abflachen

Ratsam ist, die Spitze der Wolframelektrode nach dem Anschliff abzuflachen. Als Richtwert dafür gelten ungefähr zehn Prozent des Elektrodendurchmessers. Bei einer Elektrode mit einem Durchmesser von 1,6 mm wäre das also eine etwa 0,15 mm stumpfe Spitze.

Die abgeflachte Spitze wirkt sich deshalb vorteilhaft aus, weil sie vermeidet, dass kleine Teilchen aus der Spitze herausbrechen. Außerdem nimmt die Belastung der Elektrode ab und sie hält länger.

Wolframelektroden fürs Schweißen mit Wechselstrom richtig anschleifen

Wenn mit Wechselstrom geschweißt wird, muss die Wolframelektrode etwas anders angeschliffen werden. Hier wird die Elektrode nämlich nicht spitz, sondern flach angeschliffen. Hintergrund dazu ist, dass eine Kalotte benötigt wird. Die kugelige Form lässt sich einfacher erzeugen, wenn die Elektrode in einem Winkel von 45 Grad anschliffen oder angefast wurde.

Bemerkt der Schweißer bei einer dotierten Wolframelektrode, dass sie schlecht zündet, sollte er die Elektrode um mindestens die Länge der Kalotte kürzen und anfasen.

Ist die Kalotte deutlich größer als der Durchmesser der Elektrode, sollte der Schweißer eine Elektrode mit dem nächstgrößeren Durchmesser wählen. In diesem Fall ist der Schweißstrom nämlich zu groß.

Eine ideale Kalotte entsteht übrigens so: Den Brenner mit der einen Hand halten und den Lichtbogen zünden. Gleichzeitig dabei mit der anderen Hand ganz kurz den Strom an der Stromquelle erhöhen.

Das Schleifgerät für Wolframelektroden

Das manuelle Schleifen von Wolframelektroden ist zwar weit verbreitet und für kleine Werkstätten mögen Hilfsmittel wie ein Schleifstein, ein Winkelschleifer oder ein Schleifmop ausreichen. Trotzdem lohnt sich die Anschaffung eines Schleifgeräts, weil die Schweißergebnisse einfach besser werden.

Automatisierte Schleifgeräte für Wolframelektroden sind als Trocken- und als Nassschleifgeräte erhältlich. Müssen die Elektroden oft geschliffen werden, ist ein Nassschleifgerät die bessere Wahl.

Denn durch die zusätzliche Kühlung sprühen keine Funken, was durch die Reibung an der Schleifscheibe bei Trockenschleifgeräten der Fall ist. Müssen die Elektroden nur gelegentlich geschliffen werden, genügt ein Trockenschleifgerät völlig.

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Rudolf Bozart, - Schweißfachingenieur, Gerd Meinken - Schweißwerkmeister, Thorsten Kamps, Schweißer, Coautor und Buchautor und Christian Gülcan Unternehmer und Betreiber der Webseite, 2 Jahre Vertrieb von Dienstleistungen in Mechanik- und Mettallbearbeitung, schreiben hier alles Wissenswerte zu Schweißtechniken und Schweißverfahren, geben Tipps und Anleitungen zu Berufen, Schweißgeräten, Materialkunde und Weiterbildung.

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