Ausführlicher Ratgeber zum Reinigen von rostfreiem Stahl, Teil 1

Ausführlicher Ratgeber zum Reinigen von rostfreiem Stahl, Teil 1

Die Oberfläche eines rostfreien Stahls sollte nach Abschluss aller Arbeiten glatt, fehlerfrei und sauber sein. Sehr wichtig und zugleich deutlich zu sehen ist das, wenn der Stahl an Fassaden verarbeitet wird oder unter strengen Hygieneanforderungen zum Einsatz kommt. Doch auch was den Korrosionswiderstand betrifft, spielt das Finish der Oberfläche eine große Rolle.

Ausführlicher Ratgeber zum Reinigen von rostfreiem Stahl, Teil 1

In einer mehrteiligen Beitragsreihe präsentieren wir einen ausführlichen Ratgeber zum Reinigen von rostfreiem Stahl!:

Grundsätzliches zum Reinigen von rostfreiem Stahl

Eine dünne, unsichtbare und undurchlässige Oberflächenschicht schützt rostfreien Stahl vor Korrosion. Diese sogenannte Passivschicht besteht hauptsächlich aus Chromoxid. Im Normalfall genügt der Sauerstoff, der in der Luft oder in wässrigen Lösungen enthalten ist, damit die Passivschicht entsteht und erhalten bleibt.

Defekte an der Oberfläche und Einflüsse während der Verarbeitung können aber dazu führen, dass die Passivschicht gestört und der Widerstand gegen verschiedene Korrosionsarten vermindert ist. Damit wieder eine solide Oberflächenqualität vorhanden ist, ist eine Endreinigung in vielen Fällen deshalb unumgänglich.

Welche Behandlung notwendig und sinnvoll ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählen zum Beispiel die Korrosionsbelastung durch die Umgebung und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Korrosion des verwendeten Stahltyps. Spezielle Anforderungen an die Hygiene, etwa im Medizin- oder Lebensmittelbereich, und ästhetische Gesichtspunkte können ebenfalls ins Gewicht fallen.

Für die Reinigung stehen sowohl chemische als auch mechanische Verfahren zur Verfügung. Um den Aufwand und damit auch die Kosten für die Nachbearbeitung möglichst gering zu halten, macht es natürlich Sinn, die benötigte Oberflächenqualität schon bei der Planung des Bauteils und der Auswahl der Fertigungsmethoden im Blick zu haben.

Verglichen mit den Folgekosten, die bei fehlender Endreinigung drohen, bleiben die Kosten für eine solide Reinigung und Endbehandlung des Bauteils trotzdem nur ein sehr kleiner Faktor.

Dabei sind mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit bei der abschließenden Reinigung von rostfreiem Stahl zwei Kriterien maßgeblich. Das sind einerseits die Kosten für die Reinigung und andererseits die Vorteile für die Lebensdauer des Bauteils.

Bereits die Verarbeitung kann das Korrosionsverhalten von Stahl nachteilig beeinflussen. In der Praxis lässt sich das aber kaum vermeiden. Denn unterm Strich dürfte es nahezu unmöglich sein, Stahl zum Beispiel zu schweißen, ohne die Oberfläche dabei zu verunreinigen. Die Bereiche, die nach der Fertigung nicht gereinigt werden, werden durch ihr schlechtes Korrosionsverhalten zum schwächsten und anfälligsten Glied.

Verglichen mit den Material- und Fertigungskosten sind die Kosten für eine Reinigung verschwindend gering. Gleichzeitig erhöht sich die Haltbarkeit deutlich. Die Investition in die Reinigung zahlt sich deshalb mehr als aus.

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Verschiedene Begriffe bei der Nachbehandlung von rostfreiem Stahl

Bei der abschließenden Oberflächenbehandlung werden verschiedene Begriffe verwendet. Teilweise werden sie synonym genutzt, obwohl sie eigentlich unterschiedliche Methoden beschreiben. Deshalb definieren wir zunächst kurz die Begrifflichkeiten.

Die Reinigung umfasst alle Arbeiten, die erforderlich sind, um Verunreinigungen auf der Oberfläche zu entfernen. Ihr Ziel ist, sämtliche Verschmutzungen zu beseitigen, den Korrosionswiderstand des Stahls zu maximieren und das gewünschte Aussehen zu erreichen.

Um eine wirklich saubere Oberfläche zu erhalten, kann es je nach Ausgangssituation notwendig sein, den Stahl im Zuge der Reinigung zu schleifen, zu entfetten, zu beizen und zu passivieren.

Die Fertigungsnachbehandlung beschreibt die Reinigung nach der Fertigung. Durch sie sollen die Verunreinigungen entfernt werden, die während der Fertigung entstanden sind. Die Vorreinigung wiederum ist eine Art Zwischenschritt. Bei der Vorreinigung werden Fette, Öle, Farbe und andere grobe Verunreinigungen beseitigt, bevor die Oberfläche des Bauteils gebeizt oder abschließend gereinigt wird.

Beim Beizen werden Chemikalien eingesetzt, um Fehler, Oxid-Beläge und hauchdünne Schichten des Grundwerkstoffs von der Oberfläche zu entfernen.

Wurde die Oberfläche zu stark mit einer Beizsäure geätzt, wodurch sie rau wird und ihre Eigenschaften nachteilig verändert, wird von einem Überbeizen gesprochen.

Neben dem Entstehen von schädlichen Stickstoffgasen, den sogenannten NOx, können sich beim Beizen außerdem Beizflecken bilden. Hierbei handelt es sich um dunkle Verfärbungen und Ablagerungen. Beizflecken sind ein Anzeichen dafür, dass sich auf der Oberfläche noch Verschmutzungen befinden, die mit dem Beizmittel reagiert haben.

Erscheinen die Beizflecken während des Beizens als dunkle Stellen auf der Oberfläche, müssen sie entfernt werden. Das ist möglich, indem der Stahl entweder ein zweites Mal gebeizt oder indem ein Passivierungsmittel eingesetzt wird. Dabei muss die Behandlung nass auf nass erfolgen, also solange die Oberfläche noch nass ist und bevor das Beizmittel abgespült wird.

Hinter dem Begriff Passivieren verbergen sich verschiedene Methoden. Ihre Gemeinsamkeit besteht darin, dass der rostfreie Stahl chemisch mit einem milden Oxidationsmittel behandelt wird. Das Ziel ist, Eisen von der Oberfläche zu beseitigen und die Bildung der schützenden Passivschicht zu beschleunigen. Anlauffarben oder Zunder verschwinden bei einer Passivierung aber nicht.

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Rudolf Bozart, Baujahr 1964 Schweißfachingenieur, Gerd Meinken geboren 1972, Schweißwerkmeister, Thorsten Kamps, geboren 1981 Coautor und Christian Gülcan, Betreiber der Webseite, schreiben hier alles Wissenswerte zu Schweißtechniken und Schweißverfahren, geben Tipps und Anleitungen zu Berufen, Schweißgeräten, Materialkunde und Weiterbildung.

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