Reparieren statt wegwerfen: Kaputte Plastikteile mit Hitze verschweißen

Reparieren statt wegwerfen: Kaputte Plastikteile mit Hitze verschweißen

Ob Wäschekorb, Gießkanne oder Rührschüssel: Vor allem an stark belasteten Stellen wie den Griffen gehen solche Gebrauchsgegenstände aus Plastik gerne kaputt. Doch es ist nicht notwendig, sie immer gleich wegzuschmeißen. Denn oft können sie mit wenigen Handgriffen repariert werden. Viel mehr als ein Heißluftgebläse braucht es dafür nicht.

Kaputte Plastikteile mit Hitze verschweißen

Wir erklären, wie sich kaputte Plastikteile mit Hitze verschweißen lassen:

Thermoplaste sind durch Wärme formbar

Plastik – oder genauer das Vermeiden von Plastikmüll – ist derzeit ein riesiges Thema. Doch es gibt vermutlich keinen Haushalt, der im alltäglichen Leben ohne Gebrauchsgegenstände aus Kunststoffen auskommt.

Das fängt bei den Vorratsdosen an, geht über die Salatschleuder, den Wäschekorb, den Messbecher und die Rührschüsseln weiter und endet bei der Gießkanne im Garten. Alle diese Gegenstände auf die Schnelle auszutauschen, nur weil sie aus Plastik bestehen, würde den Sinn sicher verfehlen.

Und selbst wenn die Plastikteile kleinere Macken wie Risse oder gebrochene Griffe haben, müssen sie nicht entsorgt werden. Oft setzt sie eine Behandlung mit dem Heißluftföhn nämlich ruckzuck instand.

Klebstoff hilft bei Kunststoffgegenständen oft nicht weiter. Ein kleiner Bruch lässt sich zwar mit Klebstoff schließen. Aber die Verbindung ist nur oberflächlich und deshalb wenig belastbar. Allerdings sind viele Gebrauchsgegenstände aus dem Kunststoff Polypropylen gefertigt. Manchmal ist das auf dem Gegenstand selbst auch angegeben.

In diesem Fall findet sich auf der Unterseite das Kürzel PP. Polypropylen gehört zur Gruppe der Thermoplaste und lässt sich durch Wärme verformen. Ist ein Gegenstand aus PP beschädigt, kann das Plastik an der Bruchstelle angeschmolzen und wieder zusammengefügt werden. Nach dem Abkühlen ist der Kunststoff wieder fest und dauerhaft miteinander verbunden. Das Plastik wurde somit letztlich verschweißt.

Weißbrüche mindern die Stabilität

Bei farbigen Kunststoffgegenständen tauchen nach einiger Zeit oft die sogenannten Weißbrüche auf. Der Kunststoff ist an diesen Stellen zwar noch nicht gebrochen und hat auch noch keine tiefen, sichtbaren Risse.

Aber in der Polymer-Struktur haben sich bereits feine Mikrorisse gebildet. Deshalb zeigen sich an der Oberfläche weiße Stellen. Da das Material an diesen Stellen geschwächt ist und an Stabilität verloren hat, führt Belastung dazu, dass der Kunststoff dann früher oder später reißt oder bricht.

Wärme hilft dabei, die Weißbrüche zu reparieren. Dafür muss die entsprechende Stelle nur kurz mit dem Heißluftföhn erwärmt werden. Durch die Wärmeeinwirkung schließen sich die feinen Risse auf molekularer Ebene wieder. Der Kunststoff ist danach wieder stabiler und die unschönen weißen Flecken sind verschwunden.

Reparieren statt wegwerfen: Kaputte Plastikteile mit Hitze verschweißen

Thermoplaste haben ihren Schmelzpunkt bei ungefähr 140°C. Während der normale Haartrockner diese Temperatur nicht erreicht, ist sie für einen Heißluftföhn überhaupt kein Problem. Ganz im Gegenteil ist sogar etwas Vorsicht geboten, dass die Temperatur nicht zu hoch wird.

Denn zu viel Hitze würde dazu führen, dass sich das Plastik verzieht und nach der Reparatur entweder schrumpelig oder verkohlt ist. Das Heißluftgebläse auf die niedrigste Stufe zu stellen, reicht deshalb in aller Regel völlig aus.

Dennoch sollte der Heimwerker unbedingt dicke Handschuhe aus schwerem Leder tragen. Denn sowohl die Heißluft als auch der Kunststoff werden so warm, dass die Haut böse Verbrennungen davontragen kann.

Das Verschweißen selbst geht dann so:

Damit ein klaffender Bruch im Kunststoff wieder belastbar zusammengefügt werden kann, müssen die Kontaktflächen gut angeschmolzen sein. Dabei reicht es nicht aus, wenn nur die Oberfläche der Bruchkanten erwärmt wird. Stattdessen muss das Material auch in der Tiefe angeschmolzen sein.

Deshalb sollte der Heimwerker die Bruchstelle gleichmäßig und am besten von beiden Seiten erwärmen. Dafür bläst er Heißluft auf die Bruchstelle. Wichtig hier ist aber, etwas Abstand einzuhalten. Sonst zieht sich der Kunststoff möglicherweise zu stark zusammen. Ratsam ist zudem, die beiden Seiten der Bruchstelle etwas auseinanderzudrücken. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass die Heißluft alle Stellen gut erreicht.

Wenn die Oberfläche anfängt, etwas zu glänzen, beginnt der Schmelzprozess des Kunststoffs. Der Heimwerker sollte die Bruchkanten aber nun noch solange weiter erwärmen, bis sie wirklich gleichmäßig erhitzt sind. Anschließend kann er die beiden Seiten aufeinanderlegen und zusammendrücken.

Bleibt der Kunststoff von alleine nicht in der richtigen Position, muss der Heimwerker die Stelle festhalten, bis der Kunststoff etwas abgekühlt ist. Das geht allerdings recht schnell und lässt sich durch Pusten zusätzlich noch ein bisschen beschleunigen.

Sollten sich beim Zusammenpressen unschöne Wülste gebildet haben, kann der Heimwerker die Nahtstellen mit einem kleinen, schmalen Spachtel glätten. Eventuell muss er die Stelle dazu aber noch einmal vorsichtig erwärmen. Nachbearbeiten kann der Heimwerker die Bruchstelle auch dann, wenn der Kunststoff doch noch nicht warm genug war und sich deshalb nicht richtig verbunden hat.

Nach dem Zusammenfügen ist der Kunststoff so stabil wie vorher. Im Idealfall ist gar nicht zu sehen, dass der Gegenstand eine Beschädigung hatte. So lässt sich mit wenig Aufwand vieles reparieren und weiternutzen, was sonst auf dem Müll gelandet wäre.

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Rudolf Bozart, Baujahr 1964 Schweißfachingenieur, Gerd Meinken geboren 1972, Schweißwerkmeister, Thorsten Kamps, geboren 1981 Coautor und Christian Gülcan, Betreiber der Webseite, schreiben hier alles Wissenswerte zu Schweißtechniken und Schweißverfahren, geben Tipps und Anleitungen zu Berufen, Schweißgeräten, Materialkunde und Weiterbildung.
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