Nitrose Gase beim Schweißen, Teil 2

Nitrose Gase beim Schweißen, Teil 2

Das Schweißen ermöglicht, verschiedene Werkstoffe dauerhaft zu fügen. Dabei gibt es viele verschiedene Schweißverfahren, so dass die verwendete Methode optimal auf die Werkstoffe und die geplante Nutzung der Bauteile abgestimmt werden kann.

Nitrose Gase beim Schweißen, Teil 2

Allerdings ist das Schweißen nicht ungefährlich. Dämpfe und Schweißrauche, extrem hohe Temperaturen, grelle Lichter oder auch ungünstige Körperhaltungen können zur Gesundheitsgefahr werden. Ein weiterer Risikofaktor sind nitrose Gase.

Hierbei handelt es sich um giftige Stickstoffoxidgemische, die beim Schweißen entstehen können.

In einem zweiteiligen Fachartikel nehmen wir uns dieses Thema einmal genauer vor. Dabei haben wir in Teil 1 erklärt, wie nitrose Gase beim Schweißen entstehen, welche gesundheitlichen Schäden bei einer Vergiftung drohen und wie hoch die Gefährdung bei den verschiedenen Schweißverfahren ist.

Hier geht es weiter mit Teil 2.:

Maßnahmen zum Schutz vor nitrosen Gasen

Grundsätzlich gilt, dass die Parameter immer jeweils so ausgewählt werden müssen, dass möglichst wenig Gefahrstoffe und damit auch nitrose Gase freigesetzt werden.

Das betrifft sowohl die Parameter, die sich spezifisch auf das angewendete Schweißverfahren beziehen, als auch die Bedingungen am Arbeitsplatz.

Dabei tragen folgende Maßnahmen dazu bei, dass das Entstehen von nitrosen Gasen beim Schweißen verringert wird:

  • kleine Brennergrößen einsetzen und die Flammenlänge kurz halten

  • den Abstand zwischen Brenner und Werkstück möglichst klein halten

  • Flammen, die frei brennen, vermeiden

  • den Sauerstoffverbrauch begrenzen

  • die Stromstärke und die Spannung möglicht niedrig einstellen; das gilt vor allem bei Plasmabrennern und Lichtbogenverfahren

  • mit geringer Schweißgeschwindigkeit arbeiten

  • Einrichtungen zum Ablegen des Brenners verwenden, die die Gaszufuhr selbstständig absperren

  • beim Brennschneiden und Plasmaschmelzschneiden Wasserschutzeinrichtungen anwenden

Lüftungstechnische Maßnahmen

Auch die Lüftung am Arbeitsplatz spielt eine entscheidende Rolle. Die Richtlinien schreiben vor, dass gesundheitsgefährdende Stoffe von der Atemluft des Schweißers ferngehalten werden müssen. Dazu ist es notwendig, den Arbeitsplatz entsprechend einzurichten.

Das erfolgt zum einen durch Anlagen, die die nitrosen Gase direkt an der Entstehungsstelle absaugen. Zum anderen müssen Einrichtungen vorhanden sein, die für eine ausreichende Belüftung und Frischluftzufuhr am Arbeitsplatz sorgen.

Dabei darf allerdings niemals Sauerstoff eingeblasen werden! Das verbietet sich aus Brandschutzgründen.

Die Lüftungseinrichtungen müssen grundsätzlich so angeordnet sein, dass der Schweißer im Zuluftstrom arbeitet. Kommen mobile Absauggeräte zum Einsatz, die mit Umluft betrieben werden, sollten sie neben Partikelfiltern auch einen Filter wie zum Beispiel einen Aktivkohlefilter haben, der die nitrosen Gase abscheidet.

Ist der Schweißer nur in geringem Maß gefährlichen Stoffen ausgesetzt, kann je nach Gebäude und Witterung auch eine freie, natürliche Lüftung ausreichen.

Sie kann beispielsweise durch Fenster, Schächte, Dachaufsätze und ähnliche Vorrichtungen, eventuell unterstützt durch Ventilatoren, sichergestellt sein.

Persönliche Schutzmaßnahmen und regelmäßige Unterweisung

Ist es zum Beispiel bei Schweißarbeiten in sehr engen Räumen nicht möglich, durch Lüftungseinrichtungen sicherzustellen, dass die Schadstoffe abgesaugt oder zumindest auf ein unbedenkliches Maß unterhalb der Grenzwerte reduziert werden, braucht der Schweißer einen Atemschutz.

Je nach Bedingungen vor Ort kann das beispielsweise ein Frischluftschlauchgerät, ein Schutzhelm mit Druckluftversorgung oder ein Atemschutzgerät, das unabhängig von der Umgebungsluft arbeitet, sein.

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Kann der Schweißer im Rahmen seiner Arbeit nitrosen Gasen ausgesetzt sein, muss er sowohl über die auftretenden Gefahren als auch über die notwendigen Schutzmaßnahmen unterwiesen werden.

Dabei muss die Unterweisung zu Beginn des Beschäftigungsverhältnisses erfolgen und danach mindestens einmal pro Jahr wiederholt werden. Zusätzlich dazu müssen die Inhalte der Unterweisung in einer Betriebsanweisung erfasst sein.

Erste-Hilfe-Maßnahmen bei einer Vergiftung mit nitrosen Gasen

Selbst wenn nur der Verdacht besteht, dass der Schweißer nitrose Gase in höherer Konzentration eingeamtet haben könnte, müssen sofort Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Das gilt unabhängig davon, ob Vergiftungssymptome auftreten oder nicht.

Denn es kommt recht oft vor, dass sich Beschwerden erst nach mehreren Stunden zeigen. Andersherum kann gut sein, dass sich der Schweißer zunächst recht schnell wieder zu erholen scheint.

Tatsächlich ist es aber so, dass noch in den folgenden 72 Stunden das Risiko besteht, dass sich ein lebensgefährliches Lungenödem bildet. Außerdem können schon kleine Mengen von nitrosen Gasen die Gesundheit schwer und nachhaltig schädigen.

Bei einer Störung oder einem Komplettausfall der Lüftungseinrichtungen müssen die Schweißarbeiten sofort eingestellt und der Vorgesetzte informiert werden.

Kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Schweißer nitrose Gase in einem bedenklichen Ausmaß eingeatmet hat – unabhängig davon, ob er Vergiftungssymptome zeigt -, muss er sofort aus dem Gefahrenbereich gebracht und dem Betriebsarzt, einem Internisten oder einem Facharzt für Lungenheilkunde vorgestellt werden.

Die einzelnen Schritte im Fall einer (möglichen) Vergiftung mit nitrosen Gasen sind folgende:

  • den betroffenen Schweißer aus dem Gefahrenbereich bringen; dabei müssen die Helfer an ihre eigene Schutzausrüstung denken, um selbst nicht auch die giftigen Gase einzuatmen

  • den Schweißer hinsetzen, um ihm so die Atmung zu erleichtern

  • Notruf absetzen

  • den Schweißer beaufsichtigen und vor einem Wärmeverlust schützen

  • dafür sorgen, dass der Schweißer keine körperlichen Aktivitäten ausführt

  • nichts zu trinken geben, weil die Flüssigkeitszufuhr ein Lungenödem verstärken könnte

  • sofern ein Transport notwendig ist, sollte dieser möglichst im Sitzen erfolgen, ansonsten im Liegen mit erhöhtem Oberkörper

  • tritt Atemnot ein, den Schweißer medizinischen Sauerstoff einatmen lassen

  • in Absprache mit dem Betriebsarzt dem Schweißer eventuell ein corticoidhaltiges Inhalationsspray verarbeiten; zunächst vier Hübe, danach je zwei Hübe im 5- bis 10-Minuten-Takt

  • den Notarzt und die weiteren behandelnden Ärzte unbedingt darauf hinweisen, dass eine Vergiftung durch nitrose Gase beim Schweißen bestehen könnte

In den meisten Fällen wird der betroffene Schweißer für einen längeren Zeitraum ärztlich überwacht. Dabei geht es in der Anfangszeit darum, ein Lungenödem oder andere, lebensbedrohliche Schäden zu verhindern. Im weiteren Verlauf gilt es, möglichen Spätfolgen entgegenzuwirken.

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