6 Fragen zur Drahtseele, Teil 1

6 Fragen zur Drahtseele, Teil 1

Drahtseelen werden auch Führungsspiralen oder Liner genannt. Sie sind unter anderem aus Stahl, mit und ohne Ummantelung und als Kunststoffliner in diversen Varianten erhältlich. Bei dieser riesigen Auswahl ist es kein Wunder, dass regelmäßig Fragen aufkommen. Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, beantworten wir in einem zweiteiligen Beitrag sechs Fragen zur Drahtseele!

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6 Fragen zur Drahtseele, Teil 1

  1. Sind Drahtseele, Drahtförderspirale und Liner das gleiche?

Auch wenn die Bezeichnungen oft synonym verwendet werden, gibt es durchaus Unterschiede. So haben Seelen und Spiralen als Führungselement immer und in sämtlichen Ausführungen eine Stahlspirale.

In der Bezeichnung Neckliner steckt das englische Wort neck für Hals und deutet damit schon an, worum es sich handelt. Der Neckliner ist nämlich der Teil der Drahtführung, der sich im Brennerhals befindet und bei Wechselhalssystemen mit einem drehbaren Brennerhals zum Einsatz kommt.

Damit sitzt der Neckliner dort, wo beim Schweißprozess die größte Hitze entsteht. Aus diesem Grund besteht ein Neckliner fast immer aus einer Metallspirale.

Ein Liner besteht grundsätzlich aus einem Kunststoffröhrchen. Es gibt aber auch spezielle Typen aus zwei Röhrchen. Sie sollen dafür sorgen, dass der Draht stabil und reibungsarm durch das Schlauchpaket geführt und dem Zentralanschluss flexibel zugeführt wird.

Kombiliner wiederum verbinden einen Kunststoffliner mit einer aufgesetzten Messingspirale. Dabei ist das Messing in dem Teil angeordnet, der die meiste Hitze abbekommt.

Eine weitere Variante ist der sogenannte MasterLiner. Er kann den Draht über bis zu 25 Meter lange Strecken vom Drahtgebinde bis zum Drahtvorschubkoffer fördern. Weil ein MasterLiner den Draht über Elemente zieht, die flexibel gelagert sind, ist ein sehr reibungsarmer Transport möglich.

  1. Warum gibt es Drahtseelen in so vielen verschiedenen Ausführungen?

Die Auswahl an Drahtseelen und Führungsspiralen ist tatsächlich sehr groß. Dabei ist jede Drahtseele oder Führungsspirale aus einem bestimmten Material und in einer bestimmten Technik gefertigt und eignet sich dadurch besonders für das jeweilige Anwendungsgebiet.

Die grundsätzliche Funktion ist aber immer dieselbe. So ist die Seele oder Spirale dafür zuständig, den Schweißdraht mit so wenig Reibung wie möglich vom Eingang am Zentralanschluss bis zu der Stelle zu befördern, wo die Stromdüse ins Schweißbad übergeht.

Jeder Schweißdraht kennzeichnet sich durch besondere Eigenschaften. Sie sorgen zwar für eine gute Verbindung mit dem Grundmaterial, können aber den Transport erschweren, wenn die Drahtoberfläche zu einer intensiven Reibung führt. Dabei gilt grundsätzlich, dass die Drahtbeförderung mit umso mehr Reibung erfolgt und umso unregelmäßiger wird, je länger das Schlauchpaket ist und je enger es aufgewickelt ist.

Aus diesem Grund sollte das Schlauchpaket bei einem Handschweißbrenner höchstens fünf Meter lang sein. Wird mit einem Aluminiumdraht gearbeitet, sollte die Länge vier Meter nicht überschreiten. Bei längeren Schlauchpaketen ist ein sogenannter Push-Pull-Brenner die bessere Lösung.

Die große Auswahl an Drahtseelen und Drahtförderspiralen ist deshalb gut und wichtig, weil sie je nach Anwendung und Anforderung einen optimalen Drahttransport und damit ideale Ergebnisse ermöglicht.

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Für den Schweißer besteht die Herausforderung darin, den Liner oder die Spirale auszuwählen, die am besten zur jeweiligen Schweißaufgabe passt.

  1. Welche Drahtseele eignet sich für welchen Draht?

Um Missverständnissen vorzubeugen: Eine Spirale ist eine Drahtführung mit einer Metallspirale als Basis, während ein Liner immer aus Kunststoff besteht. Beide Typen werden auch Seele genannt.

Beim MIG/MAG-Schweißen werden Drahtseelen sowohl beim manuellen Schweißen als auch beim automatisierten Schweißen mit Schweißrobotern verwendet. Beim WIG-Schweißen mit Kalt- und Heißdraht, beim Plasmaschweißen mit Kaltdraht und als Drahtzuführung beim Laserschweißen werden sie ebenfalls eingesetzt.

Dabei muss der Innendurchmesser der Führungsspirale immer exakt auf den Durchmesser des verwendeten Drahts abgestimmt sein. Ist der Durchmesser der Spirale zu groß, würde sich der Draht verheddern und eine Art Knäuel bilden.

Ein zu kleiner Durchmesser der Führungsspirale hingegen erzeugt eine zu große Reibungsfläche. Dadurch kann sich Abrieb ansammeln, der dazu führt, dass der Draht zuerst stockt und irgendwann stecken bleibt.

Neben dem Durchmesser sollte der Schweißer darauf achten, dass die Materialien der Seele und das spezifische Material der Drahtoberfläche miteinander harmonieren. Dabei spielt auch an dieser Stelle die Reibung wieder eine maßgebliche Rolle.

In dieser Hinsicht weisen Drähte folgende Eigenschaften auf:

  • Blanke Drähte: geringe Reibungsintensität

  • Verkupferte Drähte: geringe bis mittelstarke Reibungsintensität

  • Aluminiumdrähte und Kupfer-Silicium-Drähte: hohe Reibungsintensität

  • Fülldrähte: je nach Oberfläche und Falzung hohe bis sehr hohe Reibungsintensität

Die Spirale als solche muss den thermischen Belastungen beim Schweißen standhalten, ohne dass sich ihre Eigenschaften oder ihre Struktur verändert.

Liner sind in verschiedenen Farben gekennzeichnet. Allerdings sind diese Farben nicht genormt. Stattdessen legen die Hersteller die Farbgebung selbst fest. Deshalb kann ein Liner, der bei einem Hersteller rot ist, bei einem anderen Hersteller gelb oder blau sein.

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Der Schweißer sollte sich also schlaumachen, um welche Art von Liner es sich handelt und für welche Drahtstärke er geeignet ist. Die Anbieter stellen dafür in aller Regel Übersichten oder Tabellen bereit.

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Rudolf Bozart, - Schweißfachingenieur, Gerd Meinken - Schweißwerkmeister, Thorsten Kamps, Schweißer, Coautor und Buchautor und Christian Gülcan Unternehmer und Betreiber der Webseite, 2 Jahre Vertrieb von Dienstleistungen in Mechanik- und Mettallbearbeitung, schreiben hier alles Wissenswerte zu Schweißtechniken und Schweißverfahren, geben Tipps und Anleitungen zu Berufen, Schweißgeräten, Materialkunde und Weiterbildung.

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